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Clausthaler entdecken neues Mineral im Harz

“Roterbärit” aus Sankt Andreasberg von der International Mineralogical Association (IMA) als neue Mineralart anerkannt.

Anfang August 2019 ging eine E-Mail aus Japan bei der Technischen Universität Clausthal ein. In diesem Schreiben wurde mitgeteilt, dass die Kommission für neue Minerale der International Mineralogical Association (IMA), dieses Anfang des Jahres als Neuentdeckung eingereichte Mineral unter dem Namen Roterbärit einstimmig anerkennt hat.
Entdecker ist Dr. Alexandre Raphael Cabral aus Brasilien, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter einige Jahre lang im Fachgebiet Lagerstätten und Rohstoffe am Institut für Endlagerforschung der TU Clausthal tätig gewesen war und heute als Professor an der brasilianischen Federal University of Minas Gerais in Belo Horizonte lehrt.

“Ein neues Mineral zu entdecken, ist für einen Mineralogen eine wunderbare Sache, denn soetwas kommt nicht alle Tage vor. Bisher sind weltweit rund 5500 Mineralarten bekannt”, sagt Professor Dr. Bernd Lehmann vom Fachgebiet Lagerstätten und Rohstoffe. Der derzeitige Dekan der Fakultät für Energie & Wirtschaftswissenschaften der TU Clausthal ist Doktorvater von Alexandre Raphael Cabral und in verschiedene Projekte zur Erforschung der Gangvererzungen im Harz eingebunden.

In der Arbeitsgruppe von Professor Lehmann wurden schon fünf andere neue Mminerale entdeckt, die allerdings aus Promotionsarbeiten in Bolivien, Brasilien, Kongo und China hervorgegangen sind. Ein neues primäres Erzmineral in einer “klassischen Bergbauregion” wie dem Harz zu entdecken, der schon seit Jahrhunderten erforscht wird, ist etwas ganz Besonderes.

Entdeckt hatte Cabral das neue und außerordentlich seltene Mineral, das in Bindung an Selen die Metalle Palladium, Kupfer und Wismut enthält, bei der erzmikroskopischen Bearbeitung von alten Proben. Es handelt sich um Material aus privaten Sammlungsbeständen, das von Dr. Wilfried Ließmann, ebenfalls Dozent an der TU Clausthal, im Rahmen seiner ehrenamtlichen Tätigkeit am Lehrbergwerk Grube Roter Bär aufgespürt wurde. Dieses wurde bereits in den 1920er Jahren, im Rahmen der letzten bergmännischen Erkundungsarbeiten in der Grube Roter Bär im Niveau des dem Sieberstollens, an den dort entdeckten, nur wenige Zentimeter mächtigen “Selenidtrümern” gewonnen. Schon die Erstbearbeitung des Materials 1928 durch Hermann Rose aus Hamburg und Wilhelm Geilmann aus Hannover ergab eine sehr komplexe Mineralogie, die mit den damaligen Analysemethoden aber nicht weiter zu entschlüsseln war.
Durch die erneute Untersuchung des historischen Materials mit der Elektronenstrahlmikrosonde gelangen neue Erkenntnisse, wobei für eine nicht zubestimmende Erzphase ein Chemismus ermittelt wurde, der keinem der bislang bekannten Mineral entsprach. Es folgten weitere aufwendige Untersuchungen, um die für eine Anerkennung als neues Mineral geforderten physikalischen und kristallografischen Parameter zu ermitteln. Da das Mineral nur einige Zehner Mikrometer groß ist, musste es zur  Gewinnung der Strukturdaten erst in einem aufwendigen Prozess synthetisiert werden. Dies ist der Verdienst von Dr. Anna Vymazalova beim Tschechischen Geologischen Dienst in Prag, die diese Aufgabe mit großem Engagement löste. Eine weitere Hürde war die Aufnahme der sog. Reflexionskurve und die Ermittlung von Farbnormwerten sowie der Vickershärte, wozu es in Clausthal am notwendige Equipment fehlte. Dankenswerter Weise übernahm Dr. Chris J. Stanley vom Department of Earth Sciences / Natural History Museum in London als ausgewiesener Experte diese Untersuchungen.

Roterbärit ist metallischglänzend und kristallisiert im orthorhombischen System. Er tritt begleitet von Gold und anderen Seleniden in Form von nur in Mikrometer-großer Einschlüsse in Clausthalit auf. Clausthalit mit Typlokalität Clausthal ist ein Bleiselenid, das schon seit fast 200 Jahren bekannt ist. Wie die mikrochemische Analyse ergab, handelt es sich bei Roterbärit um ein Palladium-Kupfer-Wismut-Selenid der Zusammensetzung PdCuBiSe3 .
Benannt wurde das Erzmineral nach seinem Fundort, der Grube Roter Bär im Silberbergbaurevier von St. Andreasberg. Seit 1988 wird die Grube zum Zweck der Montanforschung von der Arbeitsgruppe Bergbau im St. Andreasberger Verein für Geschichte und Altertumskunde e.V. betrieben. Allerdings ist die Orginalfundstelle Ende der 1920er Jahre mit Auffahrungsbergen versetzt worden und daher nicht mehr zugänglich, so dass mit aktuellem Material von hier nicht zu rechnen ist und es eine mineralogische Rarität bleiben wird. Das Originalmaterial ist in der Geosammlung der TU Clausthal hinterlegt.

Zu den ebenfalls in jüngerer Zeit zuerst aus dem Harz beschriebenen Mineralen zählen Schulenbergit (1984), Lautenthalit (1993) und Tischendorfit (2002).

Nachdem zuletzt 1908 mit dem Samsonit ein neues Mineral in St. Andreasberg entdeckt worden ist, gilt nun auch die Grube Roter Bär international als Typlokalität für ein Mineral, worüber man sich beim Betreiber des Bergwerks wie auch in der Bergstadt sehr erfreut zeigt.

W. Ließmann, TU Clausthal

Video der TU Clausthal mit Interviews

7 Tage / 4 Museen

Kultur-Erlebniswoche vom 19. bis 25. Mai 2019. Eine Woche mit vielen spannenden Aktionen rund um die Bergbaugeschichte im Oberharz.

Beginnend am Sonntag, den 19. Mai laden die vier Museen & Besucherbergwerke im TRAFO-Projekt – ein Förderprojekt der Kulturstiftung des Bundes – zu einer ganz besonderen Woche.

Nordic Walking unter Tage, kreative Kunstaktion, buntes Museumsfest und köstliches Dinner im Stollen: Diese und viele weitere spannende Aktionen erwarten Sie während der Kultur-Erlebniswoche an der Schachtanlage Knesebeck in Bad Grund, der Grube Samson in St. Andreasberg, dem Oberharzer Bergwerkemuseum in Clausthal-Zellerfeld und dem 19-Lachter-Stollen in Wildemann. Ob Sie krimibegeistert sind, Interesse an der Oberharzer Mundart haben, ob Sie gerne gestalterisch aktiv werden, es lieben, schöne Fotos auf Instagram zu posten oder ob Sie über Kulturpolitik diskutieren möchten: Hier ist für jede*n etwas dabei!

Gemeinsam mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern, Schulen, Vereinen, Künstlerinnen und Künstlern sowie mit Gastronomiebetrieben und Firmen aus der Region haben die vier Museen & Besucherbergwerke und die Stiftung Welterbe Harz ein noch nie da gewesenes Veranstaltungsformat ins Leben gerufen: Eine Kulturwoche nicht nur für, sondern geplant von und mit der Oberharzer Bevölkerung.

Sonntag, der 19. Mai bis Samstag, der 25. Mai. 2019

Oberharzer Bergwerksmuseum
, Bornhardtstraße 16, 38678 Clausthal-Zellerfeld

Schachtanlage Knesebeck,Knesebeck 1, 37539 Bad Grund (Harz)

Grube Samson, Am Samson 2,37444 St. Andreasberg

19-Lachter-Stollen, Im Sonnenglanz 18, 38709 Wildemann


Weitere Informationen zur Kultur-Erlebniswoche und zum Programm finden Sie auf der Webseite der Stiftung UNESCO Welterbe im Harz. Einen Flyer mit dem Programm können Sie hier herunterladen.

 

"Berggeschrei"

Kunst mit Künsten 19.05.-20.07.2019

Veranstaltung im Rahmen der Kultur-Erlebniswoche "7 Tage / 4 Museen" vom 19.-25. Mai 2019 an den TRAFO-Standorte in St. Andreasberg, Clausthal-Zellerfeld, Wildemann und Bad Grund.

Der Oberharz blickt auf eine jahrhundertealte Tradition der Entwicklung von Künsten zurück. So werden im Bergbau hochentwickelte Techniken und Maschinen genannt. Drahtseil und Fahrkunst zählen heute zu den bekanntesten Erfindungen des Oberharzer Bergbaus, daneben kennen wir auch Kunstkreuze oder Kunstknechte.

Kunstfertigkeit wird im Bergbau also genauso Kunst genannt wie Kunst als Darstellung eines Wissens- und Erkenntnisprozesses. Dieser hilft uns, die Welt zu verstehen und sinnlich wahrzunehmen.

Den Ideenreichtum der Harzer Bergleute haben Künstler*innen zum Anlass genommen, sich mit dessen Besonderheiten auseinanderzusetzen. Das „Berggeschrei“ ist der Begriff für den Silberrausch, der Menschen ab dem 16. Jahrhundert in den Harz lockte. Das heutige „Berggeschrei“ interpretiert faszinierende Aspekte des historischen Silberbergbaus. Parallelen und Gegensätze, Traditionen und Überraschungen laden zur Grube Samson ein. Entstanden ist ein Rundweg in der Kulturlandschaft mit Objekten, Installationen und Aktionen von Eike Geertz, Dorothea Kirsch, Detlef Backhaus, Kordula Klose, Reta Reinl, Karsten Knigge, Lasafam Iturrizaga.

Wir laden Sie ein zu einer neuen Sichtweise auf den Harzer Bergbau und sein Weltkulturerbe.
Einen Flyer mit dem Lageplan und der Vorstellung der Kunstschaffenden können Sie hier herunterladen.

Vernissage: Sonntag, 19. Mai 2019, 11:00
Ausstellungsende: Samstag, 20.07.2019, 14:00
Ort: Grube Samson und Außengelände
Kunstworkshop für Kinder: Montag, 20. Mai 10:00
Kunstworkshop für Erwachsene: Montag, 20. Mai 16:00

Teilnahme frei, Bergwerksführung zur Vernissage zum Sonderpreis von 4,00 €

 

Brand am Lehrbergwerk Roter Bär mit der Bitte um Unterstützung zum Wiederaufbau!

Nachricht vom Lehrbergwerk Roter Bär:

Liebe Freunde der Harzer Montangeschichte,
Vereinsmitglieder und Förderer des Lehrbergwerks Grube Roter Bär!

(...) Am Samstag, den 14.10.2018 in der Nacht ist unser Kauengebäude vor der Lampenstube abgebrannt.
https://live.goslarsche.de/post/view/5bc357820e1fb06bc4a7200c/St-Andreasberg/Roter-Baer-Werkstatt-faengt-Feuer

Um 22:00 wurde die Feuerwehr Andreasberg und Braunlage alarmiert und in den Morgenstunden war alles gelöscht. Der Brandort ist von der Polizei seit Mittwoch freigegeben und den Verein trifft keine Schuld. Ab morgen räumen wir auf. Unsere Lage ist wie folgt:

Das Kauengebäude und der seitliche Schuppen vor der Beton-Lampenstube sind zerstört, wobei i.W. Dach und Fassade (soweit aus Holz) gebrannt haben.
Die wertvolleren Geräte in der Lampenstube sind unbeschädigt. Auch im Kauengebäude unten hat es offensichtlich nicht gebrannt, aber das Dach ist weg.
Die Nachbargebäude sind Dank der Feuerwehr unbeschädigt.

Wir streben an, den Besucherbetrieb bis Saisonende weiterzuführen.

Wir bitten um Spenden für den Wiederaufbau der Kaue. Unser Konto unten ist benannt.
Für Spenden über 100 € gibt es einen Beleg. Bis 100 € erkennt das Finanzamt i.A. anhand des Überweisungsträgers an.  
 
Mit herzlichem Glück Auf

Matthias Bock (1. Vorsitzender)
 

St. Andreasberger Verein für Geschichte und Altertumskunde e. V.
[gegründet 1931] Trägerverein LEHRBERGWERK GRUBE ROTER BÄR
Dr.-Willi-Bergmann-Str. 28
37444 Sankt Andreasberg im Harz

Bankverbindung Verein:
Sparkasse Hildesheim Goslar Peine
IBAN: DE64 2595 0130 0001 0082 42
BIC: NOLADE21HIK

Weitere Informationen zum Brandgeschehen sowie Bilder finden Sie hier.

Christian Barsch ist "Botschafter" für das Forum Wissen

Plakataktion des neuen Wissenschaftsmuseum startet in Südniedersachsen

Seit vergangener Woche wirbt Christian Barsch, zusammen mit Hans-Günter Schärf Betreiber der Grube Samson, als Imagebotschafter für das entstehende Wissenschaftsmuseum Forum Wissen in Göttingen. An verschiedenen Standorten in Göttingen, Northeim, Osterode und Bad Lauterberg sind die übergroßen Plakatwände mit dem Bild des Erlebnisführers aus dem Harz zu sehen. Ziel ist es, die Bekanntheit des Museumskonzepts zu steigern und die Verbindung mit der Regionalgeschichte des gesamten südniedersächsischen Raums herzustellen.

"Als ich gefragt wurde, ob ich für die Region Harz diesen Part übernehmen würde, habe ich als Absolvent der Universität Göttingen natürlich gern zugesagt" so Barsch. "Mit der Kreisfusion Osterode-Göttingen interessieren sich inzwischen immer mehr Menschen für den Harz. Natürlich wollen wir mit dieser Aktion weitere Gäste für das aufstrebende Mittelgebirge und seine Montangeschichte begeistern."

Der gebürtige Harzer Diplom-Forstwirt und Welterbe-Guide Barsch steht für die Verbindung von Kulturerlebnis, Naturentdeckung und Bildungsunterhaltung im Weltkulturerbe Oberharzer Wasserwirtschaft wie auch im Nationalpark und Naturpark Harz.

Alle Infos zum Forum Wissen finden Sie hier.