Über den Autor

Christian Barsch

Diplom-Forstwirt & Museumsleiter, Grube Samson

Weitere Beiträge dieses Autors

Zusammenfassung
Nach der pandemiebedingten Schließung der Grube Samson am 13. März 2020, läuft auch diese Kultureinrichtung Gefahr, unverschuldet in wirtschaftlich sehr unruhiges Fahrwasser hineingezogen zu werden. Wir beschreiben die aktuelle finanzielle und personelle Situation im Bergwerksmuseum und zeigen, dass die besucherstärkste Museumseinrichtung im Oberharzer Weltkulturerbe bereits vor Corona mehr Unterstützung benötigte. Dieser Blogbeitrag ist zur besseren Verdaubarkeit in vier Teile gegliedert.

Einführung

Privatwirtschaftlicher Museumsbetrieb seit 1978
Der Museumsbetrieb der Grube Samson ist seit 1978 privat verpachtet, weil die Städte St. Andreasberg und später Braunlage sich finanziell nicht in der Lage sehen, den Samson mit eigenem Personal zu bewirtschaften. Von 1978 bis 2016 war Jochen Klähn Pächter und hat den Führungsbetrieb am Samson zusammen mit seiner Frau Uschi geleitet. Seit 2017 sind Hans-Günter Schärf (ehemaliger Bürgermeister von St. Andreasberg) und Christian Barsch (Diplom-Forstwirt, langjähriger Geschäftsführer einer international tätigen Marketingagentur) die Pächter.

Rückläufige Besucherzahlen seit 1990
Die Besucherzahlen in den Oberharzer Museumsbergwerken sind seit den 1990er Jahren stark rückläufig. Neu zugängliche Besucherbergwerke im Ostharz und das 1988 als Museum eröffnete Bergwerk Rammelsberg in Goslar sorgten für starke Veränderungen der Besucherströme.
Das mit mehr als 180.000 Gästen im Jahr ehemals sehr erfolgreiche Oberharzer Bergwerksmuseum in Clausthal-Zellerfeld verzeichnet heute weniger als 15.000 Gäste. Ursache für den Besucherrückgang ist die sich erheblich veränderte gesellschaftlichen Bedeutung der Urproduktion „Bergbau“. Ebenso ist der im Harz allgegenwärtige Modernisierungsstau auch in den Museumeinrichtungen bemerkbar, neue Modelle, digitale Angebote oder zeitgemäße Didaktiken werden erst jetzt entwickelt.
An der Grube Samson konnte Jochen Klähn die Zahlen von 87.000 !!! im Jahr 1992 bei immerhin knapp 23.000 im Jahr stabilisieren.

Starkes Wachstum am Samson seit 2017
Seit der Übernahme des Museumsbetriebs durch Hansi Schärf und Christian Barsch stiegen die Besucherzahlen am Samson wieder. Von durchschnittlich 22.717 Gästen in den Jahren 2012-2016 haben im Jahr 2019 29.501 Menschen an den Führungen durch die Grube Samson sowie die Andreasberger Kulturlandschaft teilgenommen.

Auf dem richtigen Weg
Als eine Einrichtung ohne Zuschüsse von Dritten und somit ohne Absicherung sind auch wirtschaftliche Kennzahlen des Museumsbetriebs an der Grube Samson von großer Bedeutung. Seit der Übernahme 2017 haben die Betreiber den Umsatz um 80% gesteigert - für ein Museum ohne Museumscafé, Wartebereich oder moderner Infrastruktur sicher ein ungewöhnliches starkes Wachstum.
Außer einer neuen Webseite und neu gestalteten Flyern (die beide einen inhaltlich hohen Qualitätsanspruch mit moderner Didaktik vermitteln) wurde dabei übrigens kein Geld für Werbung ausgegeben. Der Samson setzt auf Empfehlungsmarketing: unsere Gäste motivieren weitere Gäste nach St. Andreasberg zu kommen...

Corona stoppt die positive Entwicklung
Infolge der Schutzmaßnahmen vor dem Corona-Virus musste die Grube Samson aufgrund der Allgemeinverfügung des Landkreises Goslar am 13. März 2020 bis auf weiteres schließen. Bis zu diesem Zeitpunkt war der Samson sehr erfolgreich auch in das Jahr 2020 gestartet. Konnten im Januar 2020 35% mehr Gäste als im Vergleichszeitraum 2019 und vor allem auch im Vergleichszeitraum 2012-2016 begrüßt werden, war der Februar aufgrund des hohen Gästeaufkommens trotz Schneemangels mit 115 % Wachstum (kein Druckfehler!) sogar noch besser.

Havarien und Infrastrukturprobleme am Samson nicht neu
Bereits vor der Corona-Krise hat die Grube Samson einige schwere Zeiten zu überstehen. So hatte das Kunstrad der Grube Samson 2017 einen schweren Schaden an der Welle. Mitten in der Hauptsaison musste der reguläre Führungsbetrieb durch das Bergwerk bis zur Sicherung des havarierten Wasserrads ausgesetzt werden.
In 2018 wurde die Zufahrtstraße zur Grube Samson neu asphaltiert, auch hier gab es mitten in den Ferienmonaten August und September erhebliche Besucherausfälle.

Wie geht es weiter?
In zweiten Teil der Serie informieren wir Sie über die rechtliche und wirtschaftliche Situation am Samson, im dritten Teil wird die personelle Ausstattung im Vergleich zu anderen Museumseinrichtungen im Harz vorgestellt. Im vierten Teil blicken wir nach vorne und führen auf, was die Grube Samson benötigt, um sicher in die Zukunft zu gehen.
 

Kommentar schreiben

* Diese Felder sind erforderlich

Kommentare

Keine Kommentare