Über den Autor

Christian Barsch

Diplom-Forstwirt & Museumsleiter, Grube Samson

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Personale Entwicklung und Vergleich

Aktuell: Arbeit ohne Verdienst am Samson
Die Angestellten von Stiftung, Rammelsberg und den anderen Museen sind seit Ende März in Kurzarbeit und damit sozial einigermaßen abgesichert. Hansi Schärf und Christian Barsch bekommen nicht nur kein Honorar, sondern gestalten das Museum im Rahmen des TRAFO-Projekts auch noch um. Die Pächter kümmern sich weiterhin um die Aufrechterhaltung des zukünftigen Museumsbetriebs und investieren in neue Kommunikationsformen (Blog, Social Media etc.).

Missverhältnis bei Personal und Aufgaben
Neben den beiden vollarbeitenden Pächtern, hat die Grube Samson seit dem 01.03.2020 eine halbe Stelle mit Victoria Dietrich für Backoffice und als Führungskraft besetzt. Dazu kommt ein 450-Euro-Vertrag für unsere Reinigungskraft Martina Bielenberg sowie ein kleiner Vertrag für unseren Honorarführer Eckhard Trübel.
Arbeiten wie Buchhaltung und Rechnungswesen, Marketing und Tourismus, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Schneeräumen und Technik, strategische Entwicklung und Außendarstellung werden nebenbei von den Pächtern bzw. den Kollegen erledigt. Nach Vollzeitäquivalenten gerechnet betreut also jede mitarbeitende Person des Museumsbergwerks mehr als 10.000 Gäste im Jahr.
Dieser Wert dürfte in der deutschen Museumslandschaft ganz weit oben liegen. Denn die Anzahl verkaufter Eintrittskarten sind das eine, die Anzahl der geführten Personen das andere. Alle Gäste werden im Rahmen von Führungen durch das Bergwerk geleitet und das bedeutet einen größeren Betreuungsaufwand je Person als in gewöhnlichen Museen. Hinzu kommt die Verantwortung, die Besucher sicher durch ein historisches Bergwerk zu leiten und die insbesondere im Winter sehr hohe Belastung, bei deutlichen Minusgraden Kultur zu vermitteln.

Vergleich mit dem OBM
Im Vergleich hat das Oberharzer Bergwerksmuseum 13 mitarbeitende Personen (keine Vollzeitäquivalente) bei ziemlich genau der Hälfte der Gäste des Samson. Das OBM ist der große Wissensspeicher für die Oberharzer Montangeschichte und hat auch weitere Aufgaben wie das Führungsmanagement für die Touren in der Oberharzer Wasserwirtschaft mit insgesamt ca. 700 Gästen im Jahr 2019.
Das Oberharzer Bergwerksmuseum erhält neben dem Zuschuss von 100.000 € durch die Kommune Clausthal-Zellerfeld vom Landkreis weitere 100.000 € im Jahr.

Vergleich mit dem Rammelsberg
Der Rammelsberg ist aufgrund seiner Größe und Bedeutung die mit Abstand größte Museumseinrichtung im Westharz. Das Haus mit einer Reihen von kulturellen, pädagogischen aber auch repräsentativen Aufgaben bekommt von der Stadt Goslar einen sechsstelligen Betrag als strukturellen Zuschuss im Jahr und vom Land Niedersachsen jährlich 773.000 €. Der Rammelsberg kann in einem guten Besucherjahr wie 2019 ca. 120.000 Gäste begrüßen und somit nach eigenen Angaben ca. 51% seiner Kosten selbst erwirtschaften.

Der Samson zieht Gäste...
Ein Grund für das Wachstum am Samson seit 2017 ist die gezielte Ansprache von neuen Besuchergruppen aus den Regionen um den Harz. Auch wenn der Besuch im Samson Besuchsanlass ist, profitieren Gastronomie und Hotellerie, Tankstellen oder Einzelhandel viel stärker als das Museum. Personelles Wachstum am Samson bedeutet mehr Wachstum für den Ort und die Region...

Um die Bedeutung der Grube Samson als Kultureinrichtung und touristischen Anlaufpunkt für die Region herauszustellen: 2019 haben ca. 29.500 Gäste das Bergwerk besucht. Bei 1.600 Einwohnern in St. Andreasberg heißt dies, auf jeden Einwohner kommen 18,44 Gäste. Um diesen Wert zu übertragen: das Bergwerk Rammelsberg müsste bei ca. 50.000 Einwohnern in der Stadt Goslar 921.875 Gäste im Jahr haben.

Mehr Unterstützung ist notwendig
Die Stadt Braunlage muss die Bau- und Unterhaltungslasten am Samson allein tragen. Je kleiner und finanzschwächer eine Kommune ist, desto schwieriger gestaltet sich z.B. Unterhaltungsinvestition für das Welterbe. Welterbe in einer Großstadt bedeutete etwas anderes als in z.B. St. Andreasberg bzw. Braunlage mit ca. 5.000 Einwohnern, geringen Steuereinnahmen und hohen Infrastrukturausgaben als Tourismusdestination.
So bindet der geplante Neubau des havarierten Wasserrads viele Finanzmittel, andere wichtige Investitionsvorhaben (z.B. für die im ländlichen Raum wichtige Daseinsvorsorge) muss die Stadt zurückstellen. Das angestrebte Ergebnis des Wasserradneubaus ist dabei nur die Wiederherstellung einen Status quo vor Havarie. Notwendig sind am Samson aber auch Sanierungs- und Infrastrukturerweiterungen, die das Bergwerk zukunftsfähig machen.
So leidet die Bausubstanz des letzten historischen Bergwerks des Harzer Erzbergbaus, aber auch die personelle Ausstattung für den Museumsbetrieb, die zu einer unverhältnismäßig hohen Belastung der Pächter führt.

Wie geht es weiter?
Im vierten und letzten Teil der Serie ist Schluss mit der Jammerei, wir wollen Lösungsansätze zur Verbesserung der Situation am Samson vorstellen.
 

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