Über den Autor

Christian Barsch

Diplom-Forstwirt & Museumsleiter, Grube Samson

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Zusammenfassung
Nach der pandemiebedingten Schließung der Grube Samson am 13. März 2020, befand sich die Grube Samson, unverschuldet in einer wirtschaftlich schwierigen Lage. Im April und Mai 2020 haben wir die Situation des Bergwerksmuseums und die Folgen der Pandemie in einer vierteiligen Serie vorgestellt.
Nachdem der Museumsbetrieb wieder angefahren ist, wollen wir das Thema mit einer finalen Momentaufnahme für 2020 zu den Akten legen.

Die Rettung

Die Presse und die Medien
Im Mai 2020 haben wir, wie viele andere Kulturinstitutionen, auf unserer Webseite einen Spendenaufruf gestartet. Am 8. Juni titelt die Goslarsche Zeitung dann mit "Grube Samson steht vor dem wirtschaftlichen Kollaps". Anschließend berichtet der NDR in Radio und Fernsehen über uns, ebenso die taz. Die Aussage der GZ ist inhaltlich nicht ganz richtig, weil ja nicht die Grube Samson vor der Schließung stand, sondern nur der Museumsbetrieb, der durch die Barsch und Schärf GbR nicht mehr hätte gewährleistet werden können.

Die Verhandlungen mit der Stadt Braunlage
Eine Kündigung des Pachtvertrags der GbR mit der Stadt Braunlage war bei fortbestehenden Pandemieeinschränkungen und einem wirtschaftlichen Verlust in sechsstelliger Höhe bis zum Jahresende 2020 möglich gewesen, denn der Samson ist eine öffentliche Einrichtung und das Betriebsrisiko kann nicht vollständig durch das Privatvermögen von Barsch und Schärf getragen werden. Die GbR wäre im Extremfall ein komplettes Jahr ohne Einkommen geblieben, hätte aber den Führungsbetrieb vollständig weiterführen müssen.
Im Juni stellten die Betreiber Barsch und Schärf verschiedenen Ausschüssen des Rats der Stadt Braunlage die Situation am Samson vorgestellt und um finanzielle Unterstützung gebeten. Im Juli haben die Pächter nochmals dem Verwaltungsausschuss berichtet, der dann die gewünschte Unterstützung zusagte.
Barsch und Schärf sind der Stadt Braunlage dankbar für die Absicherung des Museumsbetriebs, der von den Ratsmitgliedern als notwendig angesehen wird, der aber ebenso von Politik und Verwaltung in Verantwortung für einen sorgsamen Umgang mit den anvertrauten Steuergeldern sicherlich nicht einfach gefallen ist.

Der Samson öffnet wieder - der Harz boomt
Die Wiedereröffnung des umgestalteten Bergwerksmuseums im Mai brachte noch keine wirtschaftliche Entlastung und nur wenige hundert EURO Umsatz, der Juni erlaubte dann auch die Öffnung der untertägigen Bereichs des Samson und die Wiederaufnahme des Führungsbetriebs, allerdings auf deutlich niedrigerem Niveau. Ab Juli und mit Beginn der Ferienzeit füllte sich der Harz zusehends und heute können wir wieder mehr als 100 Gäste täglich begrüßen. Es fehlen weiterhin Busgruppen, Schulklassen, universitäre Gruppen oder Betriebsausflüge, die vielen Sommergäste bringen aber immerhin schon wieder 70% des angestrebten Umsatzes.
Die Gespräche mit Klassenfahrtanbietern, Gruppen, Hotels und Unternehmen versprechen ein gutes Jahr 2021, das wir nach dem schwierigen Pandemie-Zeiten, bereits im Blick haben. Wenn es zu keiner zweiten Welle und erneuten Einschränkungen kommt, werden wir im kommenden Jahr vom boomenden regionalen Tourismus profitieren.

Das Konstrukt
Die Stadt hat einen Rettungsschirm über uns ausgebreitet, da wir aber wieder Umsatz generieren, werden wir den gesamten anfallenden Umsatz ab Juli diesen Jahres an die Stadt überweisen. Wenn alles gut läuft, werden wir damit nur wenige tausend Euro aus dem Rettungsschirm tatsächlich benötigen. Und noch mehr: MIt den eingegangenen Spenden, wollen wir eine Videoüberwachungssystem für das Museum anschaffen, das in den Besitz der Stadt Braunlage übergeht und das den Wert des Museums steigert. Zusätzlich wollen wir ein mobiles Kartenverkaufssystem anschaffen, damit der Stadt keine Druckkosten mehr in hoher vierstelliger Summe für die Anschaffung von Tickets aufwenden muss. Vielleicht entsteht sogar ein Nullsummenspiel.

Das Fazit
Corona wirkt als Verstärker von Krisen in vielerlei Hinsicht. Der Betrieb der Grube Samson war seit der Übernahme des Museums durch die Barsch und Schärf GbR auf extremes Wachstum angewiesen, um überhaupt ein einigermaßen sinnvolles wirtschaftliches Überleben zu sichern. Ziel war ein angemesses Honorar für die GbR und vor allen aber eine personelle Erweiterung, um die starke Arbeitsbelastung auf weitere Schultern verteilen zu können. Die Besucherzahlen wuchsen von 2017 bis 2019 um über 30%, der Umsatz gar um 67%, für ein Museum also ungewöhnlich stark. Wir haben also unsere Hausaufgaben gemacht, aber das Risiko einer Schließung wie druch Corona ist in keinster Weise abgesichert worden. Wie auch, die wirtschaftliche Situation hätte nach Businessplan erst nach einem normalen Geschäftsjahr 2020 nennenswerte Rücklagenbildungen möglich gemacht.

Die Zukunft
Ab September werden sich Betreiber und Stadt zusammensetzen und über eine Planung ab 2021 zu beraten. Wie z.B. andere Museen oder Nationalparkhäuser auch könnten die Betreiber von der Stadt ein fixe Summe erhalten, die in jedem Fall behalten werden kann. Im Gegenzug führen die Pächter Umsatz an die Stadt ab. Nach Erreichen des von der Stadt gewährten Fixums wird ein Gewinn zwischen den Beteiligten geteilt.
 

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