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Isabel Hielscher

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Zusammenfassung
Die Situation der Kinder im Bergbau ist weltweit und zu allen Zeiten ein sehr berührender Teil der Montangeschichte. Wie war die Situation im Harz?

Ein wichtiges Einkommen in der Familie
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war Kinderarbeit ein wichtiger Bestandteil im Harzer Montanwesen. Ab 1838 wurde das Alter der arbeitenden Kinder immerhin von 10 Jahren auf 14 Jahren angehoben und die Untertagearbeit war erst ab 18 Jahren erlaubt. Vorher war Untertagearbeit auch bei jüngeren Kindern gang und gäbe.

Die Arbeit im Harzer Bergbau
Die Arbeit bestand meist aus 12 vollen Stunden Aufbereitungsarbeit, also die Verarbeitung des Erzes oder Arbeit auf Halden. Neben dem weiten Weg zur Arbeit, der knappen Nahrungsmittelversorgung und nassen Gegebenheiten Untertage waren die Kinder vielen anderen Gefahren ausgesetzt: rheumatische Erkrankungen oder Tuberkulose wurden durch ungesunde Grubenluft, Arbeit mit Schießpulver und Schwermetallen und Mangel an Sonnenlicht (also Vitamin D) hervorgerufen.

Kein Ausweg zu sehen
Die Kinder mussten, neben der Arbeit der Eltern, selber so viel arbeiten, da es ein wichtiger Beitrag zum Familiengehalt war. Die oft Kinderreichen Familien haben mit der Arbeit des Vaters Untertage und der Arbeit der Mutter auf den Felder nicht genug verdient um die ganze Familie zu versorgen. Die verdienten Groschen der Kinder gingen direkt an die Familien und an die Schulen, so war eine geringe Schulbildung immerhin möglich.

Das Ende der Kinderarbeit in Deutschland
Seit 1904 ist in Deutschland das Kinderschutzgesetz in Kraft getreten und untersagt die Beschäftigung von Kindern unter 12 Jahren in gewerblichen Unternehmen. In anderen Ländern sieht das anders aus: laut UNICEF arbeiten heute etwa 190 Millionen Kinder zwischen 5 und 14 Jahren in verschiedensten Bereichen.

Kinderarbeit heute
Die meiste Kinderarbeit ist in Asien (z.B. Indien), im Pazifikraum (Lateinamerika, z.B. Bolivien) und in Afrika südlich der Sahara (z.B. Demokratische Republik Kongo, Tansania) heute noch vorhanden. Mehr als 2 Millionen Kinder arbeiten dabei im Bergbau.

Die Arbeit heute
Dort ist die Arbeit teilweise noch verheerender als im Harzer Bergbau vor 300 Jahren. Kinder bauen die Bodenschätze ab, arbeiten als Lastenschlepper, Lorenbelader oder Sprengloch-Meißler über- und untertage. Durch viele Gefahren folgen nicht selten Atemwegserkrankungen durch Schwefeldämpfe oder Staub, Tuberkulose, Bronchitis oder Asthma. Aber auch Steinschläge, Explosionen, Hautkrankheiten Ertrinken, Ersticken, Sturz in Minenschächte und Unterernährung sind vor allem bei kleinen Kindern eine große Gefahr.

Kein Ausweg zu sehen - heute
Auch hier ist die Arbeit der Kinder die einzige Perspektive für das Überleben der Familie. Doch die Kinder haben durch fehlende Schulbildung nicht die Chance aus diesem Leben herauszukommen. Die rohstoffreichen Länder werden ausgebeutet, wodurch der Verlust von Land die Heimat der Familien  und die Armut nur noch mehr vorantreibt.

Was kann ich tun?
Trotz der ausweglos erscheinenden Situation gibt es inzwischen Organisationen und Konzepte um die Kinder und Familien zu unterstützen, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und eine schulische Ausbildung zu ermöglichen. Im Folgenden stelle ich kurz zwei Möglichkeiten  vor, bei denen jede/r etwas zum Wohl der Kinder tun kann:
Faire Edelsteine und Mineralien: Den Bergleuten, die Edelmetalle und Edelsteine fördern, wird ohne einen Zwischenhändler ca. 110% des Weltmarktpreises gezahlt, um sie für die harte Arbeit immerhin fair zu bezahlen. Dadurch werden bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen geschaffen, die Umwelt wird geschützt und Kinder müssen nicht mehr arbeiten. Informationen dazu finden Sie entweder auf http://www.faire-edelsteine.de/index.php?id=19, wo Edelsteine direkt gekauft werden können, oder unter https://www.fairtrademinerals.de, wo auf verschiedene faire Händler hingewiesen wird.
Initiativen gegen Kinderarbeit: Auf diesen Webseiten wird neben umfassenden Informationen zum Thema Kinderarbeit auf verschiedene Gegenmaßnahmen hingewiesen, von Spenden bis ehrenamtliche Arbeit, die Kinder aus dieser ausbeuterischen Arbeit helfen kann: https://www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de/gegenmassnahmen/wirtschafts-initiativen oder unter https://www.unicef.de/mitmachen.

Jede Handlung zählt
Bis die Kinderarbeit in den sogenannten Entwicklungsländern abgeschafft ist und die Familien eine nachhaltig sozial und ethisch vertretbare Zukunft leben dürfen, wird noch viel Zeit vergehen. Der einzige Weg ist es, sich zu informieren, die Menschen auf diese Missstände aufmerksam zu machen und Gegenmaßnahmen aktiv zu unterstützen. Jede kleine Handlung zählt und bringt uns einen Schritt in die richtige Richtung.

Literatur

Wilfried Liessmann: „Historischer Bergbau im Harz“, 3. Auflage
Hans-Werner Niemann: „Die Geschichte des Bergbaus in St. Andreasberg“

https://www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de/produkte/bodenschatze/bergbau
https://www.geo.de/geolino/mensch/6366-rtkl-bolivien-kinderarbeit-im-bergwerk
https://www.tdh.de/fileadmin/user_upload/inhalte/10_Material/Themeninfos_tdh_Bergbaustudie_12-02.pdf
https://www.epo.de/index.php?option=com_content&view=article&id=593:weltweit-arbeiten-eine-million-kinder-in-steinbrchen-und-bergwerken&catid=46&Itemid=115
https://www.hrw.org/de/news/2013/08/28/tansania-gefahrliches-leben-fur-kinder-goldminen
https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/blog/kinderarbeit-fragen-und-antworten/166982

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23.10.2020 | Martina Reimann

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