Über den Autor

Christian Barsch

Diplom-Forstwirt & Museumsleiter, Grube Samson

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Zusammenfassung
Wir erläutern die Idee des Welterbes der Menschheit der UNESCO und erklären die mit der Verleihung des Welterbetitels einhergehenden Verantwortlichkeiten einer Welterbestätte.
Der Harz ist mit dem Bergwerk Rammelsberg, der Altstadt von Goslar und der Oberharzer Wasserwirtschaft sowie der Welterbestadt Quedlinburg und den Luthergedenkstätten Eisleben und Wittenberg die Region mit der höchsten Dichte an Welterbstätten in Deutschland. Mit der Grube Samson, dem Oderteich und dem Rehberger Graben befinden sich drei Highlights des Weltkulturerbes Oberharzer Wasserwirtschaft in St. Andreasberg.
(Lesezeit: 3 Minuten)

UNESCO-Welterbe
Die UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) zeichnet Kulturgüter und Naturlandschaften als Welterbstätten aus, die einen außer­gewöhnlichen universellen Wert für die Menschheit besitzen. Ein Weltkulturerbe soll herausragende Leistungen menschlicher Schöpfungskraft aus der Vergangenheit würdigen, ihre Bedeutung in der Gegenwart erklären und Anregungen für die Gestaltung der Zukunft geben. Neben dem Weltkultur- und Weltnaturerbe gibt es das immaterielle Welterbe und das Weltdokumenten­erbe. Zudem vergibt die UNESCO Auszeichnungen für weitere Schutzkategorien wie Geoparks oder Biosphärenreservate.

Die UNESCO hat 1972 das Konzept des gemeinsamen Welterbes der Menschheit in einer Übereinkunft definiert. Das Welterbe steht demnach für eine zeit- und länderübergreifende Idee: Obwohl jeder Mensch seine individuelle Herkunft und jede Nation ihre eigene Entstehung hat, sind alle Menschen miteinander verbunden, denn sie vereint eine gemeinsame Geschichte. Die Welterbestätten als herausragende und beispielhafte Zeugnisse der Menschheitsentwicklung sind von so großer Bedeutung, dass sie nicht nur einem Staat gehören sollen, sondern allen Menschen gemeinsam.

Die UNESCO verfolgt mit der Auszeichnung von Welterbestätten das Ziel, Humanismus und Aufklärung im Sinne Wilhelm von Humboldts auf internationaler Ebene zu fördern. Neben der Stärkung von Freiheit und Autonomie des Individuums soll ein „Weltbürger­tum“ eingeübt werden, um nationalstaatliches Denken zu überwinden so zur Schaffung einer friedlichen Welt für alle heutigen und zukünftigen Generation beitragen (Metze-Mangold 2017).

Weltkulturerbe im Westharz
Charakteristische Merkmale des Weltkulturerbe-Stätte Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft sind das Auffinden, Gewinnen und Verarbeiten von Silber-, Blei-, Kupfer- und Zinkerzen. Um den Bergbau durchführen zu können, mussten Energie und weitere Ressourcen dauerhaft bereitgestellt werden. Die Nutzung von Wasser, Holz und anderen Naturgütern wurde früh systematisiert und veränderte das Aussehen des Harzes. Eine der ersten Industrielandschaften Mitteleuropas entstand und machte den Harz zu einem wichtigen Wirtschaftsstandort und über Jahrhunderte zu einem Zentrum kaiserlicher Macht. Der Harzer Bergbau wurde bekannt für technische Innovationen wie dem Drahtseil oder der „Fahrkunst“ und entwickelte sich zu einer Wissensregion von internationaler Bedeutung.

Die UNESCO würdigte die jahrtausendealte Kulturgeschichte dieser Region als ein „Meisterwerk der menschlichen Schöpfungskraft“ und ernannte das Bergwerk Rammelsberg und die Altstadt von Goslar 1992 zu einem Welterbe der Menschheit. 2010 wurde dieses Welterbe um die Oberharzer Wasserwirtschaft als größtem Energiesystem der vorindustriellen Zeit erweitert (Welterbe-Komitee 2010).

Weltkulturerbe in St. Andreasberg
In St. Andreasberg bildet die Grube Samson ein Highlight des Welterbeteils Oberharzer Wasserwirtschaft. Das historische Bergwerksensemble ist mit allen obertägigen Anlagen im Wesentlichen unverändert erhalten. Neben einem Kunst- und einem Kehrrad ist die funktionstüchtige „Fahrkunst“ ein weltweit einzigartiges und international ausgezeichnetes Maschinendenkmal. Die Grube Samson zählte im 19. Jahrhundert zu den tiefsten Bergwerken der Welt. Einzigartige Mineralien machten St. Andreasberg unter Fachleuten international bekannt. Eines der seltensten Minerale überhaupt ist nach seinem ersten Fundort Samsonit benannt worden.

In St. Andreasberg bilden Oderteich und Rehberger Graben zwei weitere herausragende Bestandteile des Oberharzer Wasserbaukunst: Der Oderteich ist der größte und höchstgelegene Teich des Weltkulturerbe Oberharzer Wasserwirtschaft. Der Rehberger Graben gilt aufgrund der besonderen Geländetopographie als schwierigster Grabenbau des Oberharzes. Oderteich und Rehberger Graben leiten Wasser nach St. Andreasberg und bilden gemeinsam mit der Grube Samson ein heute noch aktives Wasserwirtschafts­system: Zwei Turbinen im Schacht der Grube Samson und weitere im Ort laufende Anlagen versorgen die Stadt weitestgehend mit regenerativer Energie.
 
Erhalt und Inwertsetzung von Welterbestätten
Die UNESCO hat 1972 ein Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt verabschiedet: Der Schutz von Welterbestätten ist im Paragraphen 4 erläutert. Paragraph 27 fordert Erziehungs- und Informationsprogramme (Bildungs­programme) zur Vermittlung von Welterbestätten. Diese Konvention ist rechtlich bindend für den Erhalt und die Erschließung des Harzer Weltkulturerbes. Die Einhaltung der Welterbekonvention wird vom International Council on Monuments and Sites (ICOMOS), dem Deutschen Nationalkomitee (von ICOMOS), den zuständigen Landesministerien und Denkmalschutzbehörden überwacht.

Für die Einrichtungen des Harzer Welterbes ergeben sich mit dem gewonnenen Welterbstatus verschiedene Herausforderungen, um sich zukunftssicher aufzustellen. Die verschiedenen Museums- und Bergwerkseinrichtungen sowie die Bodendenkmale des jüngsten Welterbeteils Oberharzer Wasserwirtschaft sind auf einer Fläche von mehr als 200 qkm verteilt. Sie müssen für die Vermittlung erschlossen und vermarktet sowie strukturell vernetzt werden. Eine touristische Erschließung dieses Flächendenkmals und einer vielfältigen Museumslandschaft muss hohen Qualitätsansprüchen folgen und eine umfassende Besucherbetreuung beinhalten. Welterbestätten ziehen zunehmend auch internationale Besuchergruppen an und die Inklusion stellt neue Ansprüche an Museen und Monumente. Entsprechende Standards in benutzerfreundlicher Infrastruktur, zeitgemäßer Kommunikation und modernem Design müssen geschaffen werden.

Im nächsten Blogbeitrag "Die Stiftung UNESCO Welterbe im Harz" können Sie erste Maßnahmen zur Vermittlung des Welterbes nachlesen.

Informationen zum Welterbe finden Sie auch beim Landesamt für Denkmalpflege in Niedersachsen

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